Priorisieren mit dem 20/80 Regel

Priorisieren habe ich früher einfach nicht gekannt, nur perfekte Ergebnisse. Alles oder Nix. Sie werden es nicht glauben: Vor Jahren war ich mal eine Maximalistin 😉 Eher eine überpräzise, was jetzt nicht mehr so ersichtlich ist. Ich war eine Träumerin, die sichtbar keine Entscheidungen treffen konnte, weil solange herumfeilte, alles ausprobierte. Priorität war bei mir früher nie eine Frage. Die Antwort war immer, dass die bessere Lösung Priorität 1. hat und es galt, ganz schön lange nachzudenken, was besser sei.

Heute lache ich darüber,

weil ich keine Zeit mehr habe, alles auszuprobieren und ewig zu überlegen. Das Leben änderte sich spätestens mit dem Elternsein. Paar Tage nach der Geburt von meinem Kind habe ich eine Gelegenheit bekommen, für eine Ausstellung eine Kollektion zu erstellen. Ich musste nur … noch … meine Bewerbung schnell abgeben.

Mir war es dabei elend und ich war zutiefst traurig, weil ich einen Zeitdruck hatte, die ich in diesem Mass vorher nicht gekannt habe. Wörtlich konnte ich jede vierte Stunde 10-15 Minuten für meine wichtige Bewerbung verwenden. Mein Kindchen hat mir keine Stunde am Stück mehr gegeben, ich habe das Gefühl gehabt, die Totalpeinliche-Version von mir für die Bewerbung einzureichen. Immerhin rechtzeitig abgegeben – musste dort feststellen, dass ich da schon eine von 20% war, weil 80% nicht zum Deadline geschafft haben.

Das habe ich vom Priorisieren gelernt

Heute weiss ich, dass meine Leistungen genau die notwendig wichtige 20 Prozent des bekannten Pareto-Prinzips waren. Erstaunlicher Weise wurde meine Bewerbung mit 2-3 anderen Werken für die Werbung der Ausstellung benutzt. Also musste ich damit sogar vor die Öffentlichkeit treten und ob ich mich dabei schämte!

Das war die harte Wahrheit. Die Leser und die Besucher fanden meine Idee  „Toll!“ oder „Interessant!“ und meine Arbeit „architektonisch!“ und „sehr spannend“ – während ich hätte im Boden versinken können, weil ich wusste, was meine eigene nicht ausgeschöpfte Tiefen waren. Ganz innen hielt ich mich für eine Versagerin.

Nach Aussen war das alles aber weder wichtig, noch sichtbar

Lange habe ich mit den Gedanken gekämpft, dass ich als Mutter keine Zeit mehr habe. Ich kann nicht alles perfekt nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Es ist schlichtweg nicht einzurichten, dass ich stundenlang über kleinen Unterschieden den Kopf zerbreche.

Regelmässig muss ich mich entscheiden, was gerade wichtiger ist, damit ich etwas handfestes erreiche. Erst nach einer tiefen Arbeit an mir selbst konnte ich meine Arbeit schätzen. Es war eine ehrliche innere Arbeit, die mit meiner Kollektion parallel gewachsen ist, die mir etwas ganz wichtiges für die Zukunft gelehrt hatte.

Dabei habe ich Selbstvertrauen gewonnen und für mich eine neue Sichtweise, sogar neue Arbeitsweise ausgearbeitet. Ich habe gelernt, mich als Mutter zu schätzen, die auch Ihre Träume nebenbei verwirklichen kann. Auch, wenn eine Idee oder das Projekt noch weiteren Potenzial hat, kann ich es fertigstellen und stolz darauf sein. Meine Kollektion „Amplitude“ und mein Mutterstatus hat mir ein sehr wichtiges Element gelehrt:

„Mach das, was notwendig ist und bereite vor, was notwendig sein wird.“ @stilbildung